Rolf Gérard und Peter Brook

 

Ascona

Vom bis

Fondazione Rolf Gérard:
Ausstellung Rolf Gérard und Peter Brook – CREATIVITÀ E AMICIZIA
Es darf wohl als ein Ereignis der ganz besonderen Art bezeichnet werden, wenn zwei geniale Künstler aufeinanderstoßen – und sich gleich verstehen. Nicht ohne eingehende Diskussionen, aber ohne ernstliche Verstimmungen zwischen den Freunden schufen Rolf Gérard mit der stilvollen Ausstattung und Peter Brook mit seinem zum Kern vordringenden Geist die kongenialen Aufführungen, die in die Theater-Geschichte eingehen sollten.
Peter Brook, der Engländer (1925 – 2022), war schon mit seinen revolutionären Inszenierungen aufgefallen, als er mit dem Berliner hugenottisch-neapolitanischer Abstammung Rolf Gérard (1909 – 2011) zusammentraf.
Überdrüssig des althergebrachten traditionellen Aufführungsstils suchte Peter Brook nach neuen Perspektiven. In Rolf Gérard, dem Maler, fand er die ganz neue Herangehensweise. Für die Neu-Inszenierung von Shakespeares «Romeo und Julia» an der Traditionsbühne Stratford-upon-Avon liessen sie das Liebesdrama in einem an die Gemälde des Renaissance-Malers Giotto di Bondone inspirierten Verona spielen. In einem mediterranen Licht, in einem auf das Äusserste reduzierten Bühnenbild, bewegten sich in kostbare Kostüme gehüllt elegante Damen und ritterlich agierende Herren der beiden verfeindeten Familien derer von Montague und Capulet. Die Kritiken bezeichneten diese Produktion als epochemachend.
Ebenso wirkten Peter Brook und Rolf Gérard an der New Yorker Metropolitan Opera, deren Chef-Ausstatter Gérard von 1950 bis 1970 war, und kreierten dort
einen neuen Opernstil.
Mit Verdis «Don Carlos» herrschte das von der Inquisition vorgegebene Schwarz der Kleidung und die entsprechende Seelenstimmung vor. Für Gounods «Faust» befreite das Inszenierungs-Team die im Traditionalismus erstarrte Oper von einem falsch verstandenen Mittelalter und versetzte sie in die Entstehungszeit der Oper ins 19. Jahrhundert: eine damals vollkommene neue Sichtweise. So trug Mephistophélès nicht ein Renaissance-Kostüm, sondern einen Frack mit Zylinder, unter dem er seine Teufelshörner versteckte.
So könnte man viele Beispiele dieser ausserordentlich erfolgreichen Zusammenarbeit anführen, wo auch Musicals und Filme – und leider auch ein nicht zur Ausführung gelangter «Boris Godunov», wovon wunderbare Entwürfe erhalten sind – nicht fehlen durften, die auch eine innige Freundschaft unter den gleichgesinnten Künstlern Rolf Gérard und Peter Brook aufzeigten. Die Auswahl der in der Ausstellung «Creatività e Amicizia» präsentierten Entwürfe von Rolf Gérard illustrieren den Inszenierungsstil von Peter Brook, zu dem Gérard nicht nur die äussere Form, sondern auch den inneren Geist der Zusammenarbeit beider Künstler reflektierte.
John H. Mueller    

TYPOLOGIE

  • Ausstellungen und Messen